Rettung des Autobauers: Widerstand gegen Opel-Stütze wächst
Soll Opel deutsche Staatsmilliarden bekommen? Wirtschaftsminister Brüderle zweifelt, ob dem Mutterkonzern GM ein tragfähiges Konzept gelingt. Der Daimler-Chef ist strikt gegen Steuergeld für den Konkurrenten. Derweil wartet Rüsselsheim auf Fritz Henderson.
In Deutschland verschärft sich die Debatte über das Für und Wider neuer Staatsmilliarden für Opel. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zweifelt, ob die Konzernmutter General Motors fähig ist, rasch ein tragfähiges Konzept für die europäische Tochter zu erstellen. Dies wäre jedoch die Bedingung für etwaige Staatshilfen. "Ich bin sehr skeptisch, ob das Unternehmen, das so fehl gehandelt hat, jetzt über Nacht neue Ideen hat", sagte der FDP-Politiker im ZDF.
Die Bundesregierung habe auch keine Handhabe, GM zur zügigen Vorlage der Opel-Pläne zu zwingen. "Das Druckmittel ist der Markt in Deutschland, das Druckmittel sind die Beschäftigten, das Druckmittel ist das Know-how in Deutschland", sagte der Minister. General Motors sei in den USA voll vor die Wand gefahren und brauche das Wissen aus Rüsselsheim.
Der US-Konzern hatte vergangene Woche entschieden, Opel doch nicht an den kanadischen Zulieferer Magna zu verkaufen, sondern selbst zu sanieren. Dafür veranschlagt das Management in Detroit rund 3 Mrd. Euro. Ob GM dafür Staatshilfen bei europäischen Regierungen beantragen wird, ist ungewiss. Allerdings hatte der Konzern bereits signalisiert, sich um eine solche Finanzspritze bemühen zu wollen.
Daimler-Chef Dieter Zetsche sprach sich gegen staatliche Milliarden für Opel aus. In einem Interview mit der in Oldenburg erscheinenden "Nordwest-Zeitung" sagte Zetsche, er sei grundsätzlich kein Freund von derartigen Unterstützungsaktionen.
"In diesem Fall ist es Sache von General Motors, die Zukunft von Opel positiv zu gestalten", sagte der Manager. "Wenn Gelder in diesen Größenordnungen zu einzelnen Wettbewerbern fließen, ist das evident, dass ich darin eine Wettbewerbsverzerrung sehe", fügte er hinzu.
Deutschland förderte die Autoindustrie in diesem Jahr mit der 5 Mrd. Euro teuren Abwrackprämie, andere Staaten waren dem Beispiel gefolgt. Für Opel gab es zudem einen Überbrückungskredit über 1,5 Mrd. Euro von der deutschen Regierung, mit dem der Hersteller bis jetzt die Produktion aufrecht erhält.
Nach bisherigen Plänen will GM in dieser Woche ein Sanierungskonzept für Opel vorlegen. Ob ein konkreter Fahrplan bereits Gesprächsthema ist, wenn Vorstandschef Fritz Henderson am Montagnachmittag in Rüsselsheim eintrifft, ist bislang nicht bekannt. Zunächst will Henderson mit der Unternehmensführung sprechen, heißt es aus dem Unternehmen. In den kommenden Tagen treffe der Manager aus Detrot den Opel-Betriebsrat. Begleitet wird Henderson von Nick Reilly, dem Leiter der internationalen General-Motors-Aktivitäten.
Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
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