ROUNDUP 2: General Motors will Opel nicht verkaufen (Mit Bildern)
(Neu: Henderson)
DETROIT/ZÜRICH (dpa-AFX) - Paukenschlag im Poker um Opel: Der US- Autobauer
General Motors
(GM) hat den Verkauf seiner deutschen Tochter Opel offiziell
abgeblasen. Das habe der GM-Verwaltungsrat entschieden, teilte der Konzern am
Dienstagabend (Ortszeit) in Detroit mit. Ursprünglich sollte der
österreichisch-kanadische Zulieferer Magna
die Mehrheit übernehmen. Der
US-Mutterkonzern will das Europa-Geschäft rund um Opel nun selbst sanieren und
unter anderem der deutschen Bundesregierung einen Plan dafür vorlegen. Die
Kosten der Restrukturierung bezifferte GM-Chef Fritz Henderson auf drei
Milliarden Euro.
Im September hatte das GM-Gremium noch den Verkauf von 55 Prozent der
Opel-Anteile an den Autozulieferer Magna und dessen Partner Sberbank empfohlen.
Die EU-Kommission hatte Bedenken angemeldet und GM aufgefordert, die
Entscheidung zu überdenken.
EUROPÄISCHER MARKTZUGANG FÜR OPEL GIBT DEN AUSSCHLAG
Auch nach der ersten Empfehlung für Magna galt der GM- Verwaltungsrat als
gespalten. Einige Mitglieder wollten Opel behalten, weil beide Hersteller
aufeinander angewiesen seien: Opel allein sei zu klein zum Überleben, und GM
brauche Opel wegen der modernen Technologie der Deutschen und deren Zugang zum
europäischen Markt. Dieser Marktzugang gab nun als 'wichtiger Bestandteil der
globalen Strategie von GM' auch den Ausschlag für den Stimmungswandel bei GM am
Dienstag.
Bei der Sanierung Opels baut der US-Autokonzern auf Staatshilfen aus Europa. 'GM
wird seinen Restrukturierungsplan bald Deutschland und anderen Regierungen
vorlegen und hofft dabei auf eine wohlwollende Prüfung', kündigte Henderson an.
GM-BOSS ENTSCHULDIGT SICH FÜR FÜR MONATELANGEN VERHANDLUNGSMARATHON
Gleichzeitig entschuldigte sich der GM-Boss für den monatelangen
Verhandlungsmarathon um die Zukunft Opels, an dem unter anderem mehrere
Regierungen, Unternehmen, der Opel-Betriebsrat und die EU- Kommission beteiligt
waren: 'Wir verstehen, dass die Komplexität und Dauer dieses Themas für alle
Beteiligten anstrengend war.' Die jetzige Entscheidung sei aber die beste für
die Kunden, Beschäftigten, Zulieferer und Händler. 'Das ist der stabilste und
kostengünstigste Ansatz, um die Zukunft von Opel und Vauxhall langfristig zu
sichern.'
Die Kosten der Restrukturierung bezifferte GM-Chef Fritz Henderson nach
vorläufigen Schätzungen auf drei Milliarden Euro. 'Das ist deutlich weniger als
alle Investoren-Angebote'. Magna hatte 4,5 Milliarden Euro Staatshilfen
angestrebt.
BETRIEBSRAT DROHT MIT MASSIVEN PROTESTEN
GM werde mit den Gewerkschaften an einem Plan für ihren Sanierungsbeitrag
arbeiten. Der Betriebsrat hatte aber bereits massive Proteste angedroht und
lehnt jede Form von Gehaltsverzicht für eine Sanierung mit GM ab. Er fürchtet
einen radikalen Stellenabbau und Werksschließungen.
Beobachter in Europa trauen GM nicht zu, die Opel-Sanierung finanziell stemmen
zu können. Armin Schild, Frankfurter IG-Metall- Bezirksvorsitzender und
Opel-Aufsichtsratsmitglied, hatte kürzlich davor gewarnt, dass Opel unter dem
Dach von GM die Pleite drohe. Die Amerikaner geben sich hingegen zuversichtlich:
'Die Finanzkraft und Stabilität von GM haben sich in den vergangenen Monaten
deutlich verbessert. Das macht uns zuversichtlich, das Europa-Geschäft
erfolgreich restrukturieren zu können.' GM wolle zudem seine Beziehungen mit dem
russischen Autobauer Gaz weiter ausbauen.
KOCH 'SEHR BETROFFEN UND ZUGLEICH VERÄRGERT'
In dem monatelangen Bieterkampf um Opel hatten Bundesregierung und
Opel-Betriebsrat stets einen Einstieg Magnas befürwortet. Sie bewerteten das
Konzept des kanadisch-österreichischen Zulieferers als das einzig Tragfähige, um
den angeschlagenen Autobauer in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Berlin
hatte Magna dafür 4,5 Milliarden Euro Staatshilfen zugesagt.
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) zeigte sich 'sehr betroffen und
zugleich verärgert' über die Entscheidung des US- Autobauers. 'Angesichts der
negativen Erfahrungen der letzten Jahre mit der Unternehmenspolitik von GM mache
ich mir große Sorgen um die Zukunft des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze',
sagte Koch laut einer am Dienstagabend verbreiteten Stellungnahme. Er erwarte,
dass GM den Brückenkredit über 1,5 Milliarden Euro fristgemäß zum 30. November
zurückzahle, 'damit der deutsche Steuerzahler keinen Schaden nimmt'. Die
Bundesregierung äußerte sich zunächst nicht./fd/hs/DP/he
Quelle: dpa-AFX
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