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News - 03.11.09 23:17

GM sagt Verkauf von Opel ab

In letzter Minute hat der US-Autokonzern General Motors den geplanten Verkauf von Opel an den Zulieferer Magna gestoppt. GM will Opel selbst sanieren. Die Bundesregierung steht nach ihren monatelangen Bemühungen nun vor einem Scherbenhaufen - und reagiert verärgert. Die Belegschaft fürchtet um die Werke Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen.


HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. Der GM-Verwaltungsrat habe entschieden, dass die Amerikaner die deutsche Tochter doch behalten wollen, teilte das Unternehmen am späten Dienstagabend mit. Der Konzern werden nun umgehend seinen Restrukturierungsplan für Opel der deutschen und den übrigen europäischen Regierungen vorstellen, kündigte GM-Boss Fritz Henderson an.


Der US-Konzern vollzieht damit auf den letzten Metern der Trennung von Opel eine radikale Kehrtwende. Die Amerikaner brüskieren mit ihrer Entscheidung die Bundesregierung und stoßen Arbeitnehmer und Opel-Management vor den Kopf. Das monatelange Ringen um Opel endet für die Deutschen damit vorerst mit einem Scherbenhaufen.


GM-Chef Fritz Henderson bezifferte die Kosten der Restrukturierung auf drei Milliarden Euro. In Berlin wurde die Entscheidung bedauert. Auch bei den Opel-Arbeitern stieß der Plan auf Kritik. Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sieht dadurch die Opel-Werke in Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen "akut gefährdet".


Die Bundesregierung erwarte nun, dass GM die von Bund und Ländern geleistete Brückenfinanzierung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro fristgerecht zurückzahle, erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Außerdem gehe man davon aus, dass der US-Konzern die Leistungsfähigkeit der deutschen Tochter stärke und die erforderlichen Anpassungen auf ein "unverzichtbares Mindestmaß begrenzt". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) gebeten, am Mittwoch im Kabinett zum Thema Opel zu berichten.


Die Bundesregierung bedauerte die Entscheidung des GM- Verwaltungsrats. "Mit dieser Entscheidung ist ein Investorenprozess abgebrochen worden, der über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten von allen Beteiligten - einschließlich GM - intensiv geführt wurde", erklärte Regierungssprecher Wilhelm.


Opel-Gesamtbetriebsratschef Franz forderte die Bundesregierung auf, die für den Fall eines Verkaufs zugesagten Finanzhilfen nicht zu zahlen. "Ich gehe auch davon aus, dass sich die Bundesregierung von GM nicht erpressen lässt, zumal es mit Magna eine andere Alternative gibt", sagte Franz. Es sei auch unwahrscheinlich, "dass GM aus anderen Ländern Geld bekommt, da diese die Zusage nur auf Basis des industriellen Konzeptes von Magna getroffen" hätten.


Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) äußerte sich "sehr betroffen und zugleich verärgert" über die Entscheidung. "Angesichts der negativen Erfahrungen der letzten Jahre mit der Unternehmenspolitik von GM mache ich mir große Sorgen um die Zukunft des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze", sagte Koch. Er erwarte, dass GM den vom Staat gewährten Brückenkredit fristgemäß zum 30. November zurückzahle, "damit der deutsche Steuerzahler keinen Schaden nimmt".


Der Beirat der Opel-Treuhand äußerte sich am Abend zurückhaltend. Der Vorsitzende des Beirats, Fred Irwin, sagte zu der Entscheidung: "Ich hoffe, auch im Interesse der Beschäftigten bei Opel, dass dieser Beschluss Opel zu neuer wirtschaftlicher Stabilität verhilft". Die Treuhand verwaltet 65 Prozent von Opel; die restlichen 35 Prozent liegen bei GM.


GM hatte angesichts von Bedenken der EU-Kommission den geplanten Verkauf an Magna bereits Mitte Oktober vorerst auf Eis gelegt und eine Entscheidung auf die Verwaltungsratssitzung vertagt. Das hatte bereits Spekulationen genährt, dass die Amerikaner den Deal mit dem Zulieferer noch komplett kippen könnten. Auch in der Bundesregierung war zuletzt die Sorge gewachsen, dass GM noch in letzter Minute einen Strategieschwenk vollziehen könnte. Die Opel-Treuhand, die formal noch die Mehrheit an Opel hält, hatte ihre von Brüssel angeforderte schriftliche Auskunft über den Opel-Deal bis nach der Verwaltungsratssitzung ausgesetzt. Die EU-Kommission hatte Zweifel an dem Deal geäußert und eine schriftliche Klarstellung verlangt, dass das Votum für Magna allein aus wirtschaftlicher Überzeugung und nicht auf politischen Druck hin erfolgte.


Eine Einigung der Opel-Arbeitnehmer über einen Sanierungsbeitrag für das neue Unternehmen ist damit wieder obsolet. Die europäischen Mitarbeiter wollten über einen Lohnverzicht jährlich 265 Mio. Euro einbringen, wie der Gesamtbetriebsrat am Dienstag mitteilte. Die Arbeitnehmer hatte ihre Zugeständnisse aber daran geknüpft, dass Magna und dessen russischer Partner Sberbank tatsächlich den Zuschlag für Opel erhalten. Der kanadische Autozulieferer Magna und die Sberbank wollten 55 Prozent von Opel übernehmen. GM sollte 35 Prozent am neuen Unternehmen halten.


Beobachter in Europa trauen GM nicht zu, die Opel-Sanierung finanziell stemmen zu können. Nach Ansicht von Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer fährt GM "mit höchst möglichem Risiko". Für Opel seien die Entwicklungsmöglichkeiten bei seiner alten Mutter um ein vielfaches schlechter. West-Europa sei ein Markt ohne Wachstum und mit großem Verdrängungswettbewerb, so Dudenhöffer. "Russland wird für Opel-GM deutlich schwieriger werden als für Opel-Magna-GAZ." GM beginne erst jetzt, "den x-ten Restrukturierungsplan für Opel auszuarbeiten". "Und dies mit enttäuschten Mitarbeitern, die nicht hinter GM stehen, mit einem weiter geschwächten Management und hohen Verlusten, die finanziert werden müssen."


Nachdem die Bundesregierung versicherte, dass sie die versprochenen Kreditbürgschaften über 4,5 Milliarden Euro grundsätzlich auch anderen Bietern als dem Magna-Sberbank-Konsortium gewährt hätte, wollen Top-Manager von GM die Europa-Tochter nun selbst behalten. Sie setzen darauf, dass GM selbst auch eine entsprechende Bürgschaft erhält und Opel damit sanieren könnte. Entsprechende Ansprüche hatte GM bereits in den vergangenen Wochen signalisiert. Im September hatten sich die Amerikaner zwar im Grundsatz schon darauf geeinigt, Opel mehrheitlich an Magna zu verkaufen. Doch die Verständigung ist bis heute nicht rechtlich bindend. Die Beschäftigten von Opel wollen sich gegen einen möglichen Verbleib bei GM wehren.


Carsten Herz



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Quelle: HANDELSBLATT

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