Milliardenübernahme: Warren Buffets gigantische Wette mit Airbag
Der Eisenbahn-Kauf des legendären US-Investors beeindruckt durch seine schiere Größe. Doch auf den zweiten Blick ist das Investment weniger gewagt als es anmutet.
Es ist bekannt, dass der große Warren Buffett gern mit Eisenbahnen spielt. Bei Burlington war der US-Investor schließlich schon im Mai 2007 eingestiegen, als die Aktie der Eisenbahngesellschaft sich gerade ihrem Höchststand näherte - was nicht zu den üblichen antizyklischen Deals des Multimilliardärs zu passen schien. Sensationell ist aber die Dimension, mit der sich Buffett jetzt engagiert - und mit welcher Überzeugung er offenbar an eine rosige Zukunft für die amerikanische Wirtschaft glaubt.
Bei näherem Hinsehen erweist sich Buffetts Megawette allerdings für ihn persönlich als weniger riskant als die gigantische Investitionssumme nahelegt. Zwar ist die Entwicklung von Unternehmen im Gütertransport extrem eng an die Konjunktur gekoppelt. Damit sich das Investment für Buffett auszahlt, muss es für die US-Wirtschaft aber gar nicht sonderlich steil nach oben gehen.
Die Obama-Regierung hatte schon vor Monaten angekündigt, Geld in den Ausbau des rückständigen Eisenbahnnetzes zu stecken. Man darf davon ausgehen, dass der bestens verdrahtete Buffett verlässliche Signale aus Washington bekommen hat, dass die Regierung es ernst meint. Selbst wenn die US-Konjunktur also weniger rasch und kräftig auf die Beine kommt als von Buffett erhofft und weniger Güter transportiert werden, dürfte ein höherer Anteil von ihnen auf die Schiene wandern. Ähnlich verhält es sich mit den Auswirkungen des Ölpreises: Steigt er, gefährdet das zwar die wirtschaftliche Erholung. Dafür wird der energieeffizientere Eisenbahntransport wettbewerbsfähiger.
Die Signale des "Orakels aus Omaha" sind daher mit Vorsicht zu genießen. Es handelt sich hier vor allem um einen cleveren Deal in einer langfristig zukunftsträchtigen Branche mit hohem Nachholbedarf. Schon bei seiner letzten Riesenwette auf den US-Markt hatte Buffett Airbags eingebaut: Vor einem Jahr, als die Kurse im Keller waren, wettete der Finanzguru über Derivate in Höhe von 37 Mrd. $ auf stabile Kurse der S&P-500-Konzerne in den kommenden 15 bis 20 Jahren. Zahlungsverpflichtungen drohen ihm aber nur, wenn sich der Index in dieser Zeit nicht mehr als halbiert - dafür sackte er sofort eine Prämie von fast 5 Mrd. $ ein.
Man darf ruhig weiter Buffetts Instinkt für Schnäppchen bewundern. Wenig ratsam ist es dagegen, alles auf die US-Karte zu setzen, nur weil sich Buffett patriotischen Schwärmereien hingibt.
Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND